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Neue Kompetenzprofile für Recruiter

Auf dem 17. Symposium für Personalverantwortliche in Frankfurt des Karriereportals monster.de hat Prof. Dr. Sven Laumer in einer Keynote Schlussfolgerungen aus der neuen Ausgabe der Recruiting Trends 2019 präsentiert und aufgezeigt, welche neuen Kompetenzprofile sich für Recrutier auf Grund der Digitalisierung ergeben. Das Symposium stand unter dem Motto „Digitalisierung vs.Human First“, wobei Prof. Laumer in seinen Beitrag betonte, dass dies keine Frage des „entweder oder“ ist, sondern eher eine Frage des „und“. Durch das Zusammenspiel von Mensch und Digitalisierung können Aufgaben des HR neu gedacht und besser gestaltet werden. Im Interview erläutert Prof. Laumer die Kernergebnisse der Recruiting Trends und die Auswirkungen auf die Kompetenzprofile der Recrutier.

 

Recruiter haben aktuell wenig Angst, ihren Job durch die Digitalisierung zu verlieren – allerdings verändert sich das Jobprofil des Recruiters in den nächsten Jahren erneut. Wohin geht die Reise?

Prof. Laumer: Aktuell sind neun von zehn Recruiter der größten deutschen Unternehmen der Meinung, dass es gut ist, Aufgaben für die Effektivität und Effizienz der Rekrutierung zu digitalisieren. Die Angst, dass der eigene Arbeitsplatz wegfällt, ist unter Recruitern dagegen kaum zu verspüren. Nur jeder zwanzigste Recruiter hat aktuell Angst, durch die Digitalisierung den eigenen Arbeitsplatz zu verlieren. Man ist sich aber bewusst, dass die Digitalisierung des Jobprofil des Recruiters verändern wird und dass man sich entsprechend hierauf in den nächsten Jahren einstellen und vorbereiten muss.

Wird sich die Befürchtung, dass sich das Jobprofil des Recruiters durch die Digitalisierung so ändert, dass Personal durch Maschinen ersetzt wird und somit Arbeitsplätze im Personalwesen wegfallen bestätigt?

Prof. Laumer: Es sieht derzeit gar nicht danach aus, dass Recruiter-Arbeitsplätze in den nächsten fünf Jahren wegfallen. Sie werden sich natürlich verändern.

Welche Fähigkeiten braucht der Recruiter 4.0 und warum?

Prof. Laumer: Die Digitalisierung wird das Jobprofil des Recruiters erneut verändern, wobei viele aktuelle Kompetenzen auch noch in Zukunft wichtig sind, aber auch neue dazukommen. Mehr als die Hälfte der Recruiter geht aktuell davon aus, in Zukunft durch intelligente Maschinen unterstützt zu werden. Dies führt ebenfalls dazu, dass sich das Anforderungsprofil an Recruiter verändern wird. Nach Bewertung der Top-1.000-Unternehmen wird der Umgang mit Technik, Apps und Gadgets sowie das datenbasierte Recruiting in fünf Jahren deutlich wichtiger sein als heute. Fähigkeiten zur Bewerber(vor)auswahl oder zur Formulierung und Veröffentlichung von Stellenanzeigen werden hingegen in Zukunft unwichtiger sein, da diese Aufgaben von Recommender-Systemen ausgeführt werden können.

Wie haben sich die Anforderungen in den letzten 5 Jahren verändert?

Prof. Laumer: Der Recruiter hat sich über den E-Recruiter, den Social und Mobile Recruiter zum Digital Recruiter entwickelt. So hat beispielsweise der Social-Media-Trend die Anforderungen an Recruiter verändert. Printmedien und Internet-Stellenbörsen waren zuvor statisch; durch soziale Netzwerke sind jedoch Dynamiken entstanden und ein „One-size fits all“-Ansatz ist nicht mehr angemessen. Soziale Medien verlangen bidirektionale Kommunikationsstrategien und Recruiter mussten anfangen in Netzwerkstrukturen zu denken und verstehen, wo sie ihre Zielgruppe finden. Durch die Entwicklung neuer Technologien werden sich die Anforderungen allerdings weiter verändern. Beispielsweise ist das Personalwesen durch den Mobile-Trend gefordert, sich mit Mobile Recruiting zu beschäftigen. Aktuell nutzt ein Fünftel der Kandidaten im Privatleben häufig schon kein Endgerät mehr mit Tastatur. Auf solche Entwicklungen muss inzwischen auch HR reagieren. Neue Technologie, wie Recommender-Systeme Artificial Intelligence, Virtual Reality und Augmented Reality, werden diese Anforderungen wie oben beschrieben weiter verändern.

Ein Blick in die Zunkunft: Neue Technologien wie Artificial Intelligence, Virtual Reality und Augmented Reality werden in der Rekrutierung aktuell noch sehr zurückhaltend eingesetzt. Bleibt das so? Welche Anwendungszenarien sind denkbar?

Prof. Laumer: 3,5 Prozent der Top-1.000-Unternehmen planen Artificial Intelligence in Zukunft einzustehen. Allerdings ist AI eine Technologie, die im Hintergrund agiert, sodass Recruiter und Kandidaten nicht zwingend mit dieser Technologie in Berührung kommen. Beispielsweise kann ein Recommender-System eine künstliche Intelligenz beinhalten. Recuiter und Kandidaten müssen jedoch nur mit deren grafischer Oberfläche umgehen und nicht mit den dahinterliegenden Funktionen und Algorithmen. Jedes zehnte Unternehmen plant den Einsatz von Virtual-Reality-Anwendungen und 3,5 Prozent den Einsatz von Augmented-Reality-Anwendungen. Hier sehen auch vier von zehn Unternehmen durch den Einsatz dieser neuen Technologien einen Wettbewerbsvorteil gegenüber ihrer Konkurrenz. Weiterhin sind vier von zehn Unternehmen der Meinung, dass durch Technologien wie VR und AR die Begeisterung der Kandidaten für das eigene Unternehmen gesteigert werden kann. Insbesondere weckt es die Begeisterung von Kandidaten aus der Generation Z.

Bei all dem technischen Fortschritt: Bleibt das Recruiting menschlich? Wird es aufgrund der Technik vielleicht sogar menschlicher?

Prof. Laumer: Die Digitalisierung soll ja gerade helfen, Menschen Vorteile zu bringen. Beispielsweise glaubt fast die Hälfte der Top-1.000-Unternehmen, dass IT wie bspw. Talent-Recommender das Active Sourcing diskriminierungsärmer machen. 35 Prozent der Kandidaten glauben, dass Automatisierung hilft die Rekrutierung diskriminierungsärmer zu gestalten.