Telearbeit (Home-Office)

Im Rahmen der Forschung zur „Zukunft der Arbeit“ setzt sich die Forschung am Schöller-Stiftungslehrstuhl mit dem Thema Telearbeit (Home-Office) auseinander. Seit der Ölkrise in den 1970er Jahren wird darüber diskutiert, ob es Vorteile für Arbeitgeber und Arbeitnehmer hat, wenn letztere ihre Arbeit von zu Hause aus erledigen. In den 1970er ging es vor allem um das Pendeln zum Arbeitsplatz und somit darum Öl (Kraftstoff) zu sparen.

In den letzten 50 Jahren hat sich daraus eine lebhafte Diskussion entwickelt: Der technische Fortschritt (leistungsfähige PCs, das Internet, bezahlbare Laptops und Tablets zum mobilen Arbeiten, Smartphones) trug dazu bei, die Infrastruktur für das Arbeiten von zu Hause oder einem anderen Ort (z.B. dem Kaffeehaus in der Innenstadt) zu schaffen. Die Informations- und Kommunikationstechnologie ist eine Voraussetzung, dass dieses verteilte Arbeiten funktionieren kann. Somit ist es auch nicht verwunderlich, dass Technologieunternehmen oft als Best Practise für alternative Arbeitsformen genannt werden. Und auch durch die Open-Source-Software-Entwicklung zeigt die Technologiewelt, wie man in geographischen verteilten Teams, die teilweise rein online zusammenarbeiten, erfolgreich Software ent- und weiterentwickeln kann. Daher ist es nicht überraschend, dass Telearbeit oder Home-Office auch für andere Berufswelten oder in anderen Unternehmen zunehmend auf der Tagesordnung steht und Entscheidungsträger überlegen, wie der richtige Mix zwischen Büroarbeit in Präsenz und Telearbeit im Home-Office oder an einem anderen Ort funktionieren kann.

Die Corona-Pandemie und insb. der erste Lockdown im März/April 2020 hat dem Thema in den Unternehmen, der Politik und der breiten Öffentlichkeit eine große Aufmerksamkeit beschert. Ohne Telearbeit (Home-Office) wären viele Herausforderungen im Rahmen der Pandemie nicht gestaltbar gewesen. Viele Unternehmen und Mitarbeitende haben in dieser Zeit schnell gelernt bzw. lernen müssen, wie Zusammenarbeit in Teams und Projekten virtuell erfolgreich gestaltet werden kann. Es gab jedoch auch Herausforderungen, die es zu meistern galt.

Diese Herausforderungen sind dabei nicht neu. Unternehmen wie IBM, Yahoo, Best Buy oder die Bank of America hatten vor ein paar Jahren begonnen, die Möglichkeiten für Telearbeit (Home-Office) in ihren Unternehmen zu reduzieren oder komplett einzustellen¹. Man hatte gemerkt, dass ein zu großes Ausmaß an Telearbeit sich negativ auf Innovation und Kreativität und andere Aspekte, die für eine erfolgreiche Zusammenarbeit wichtig sind, auswirkt.

In unseren Forschungsarbeiten tragen wir in diesem Spanungsfeld der Vor- und Nachteile von Telearbeit (Home-Office) zu einem besseren Verständnis der Mechanismen bei, warum und wie Vorteile der Telearbeit (Home-Office) realisiert werden können, was die Ursachen von negativen Konsequenzen sind und wie Unternehmen und deren Mitarbeitenden den richtigen Modus finden können, um Telearbeit (Home-Office) erfolgreich als Teil der jeweiligen Arbeitsmodi einsetzen zu können.

In unserer Studienreihe Recruiting Trends, die durch das Centre of Human Resources Information Systems (CHRIS) – dessen Vize-Direktor Prof. Dr. Sven Laumer ist – herausgegeben wird, zeigt dabei unter anderem, dass vier von zehn Mitgliedern der Generation Z ein Jobangebot ablehnen würden, wenn es keine Möglichkeit für Home-Office geben würde. Das heißt, aus Employer Branding Gesichtspunkten ist Home-Office ein wichtiges Angebot, welches Unternehmen ihren Mitarbeitenden machen müssen, um diese an das Unternehmen binden zu können.

Jedoch zeigen unsere Forschungen auch die Herausforderungen: Zum Beispiel gaben in der Recruiting Trends 2015 75% Prozent der 1.000 größten Unternehmen aus Deutschland an, dass Home-Office neue Herausforderungen für die Zusammenarbeit im Unternehmen erzeugt. Auch die Mitarbeitenden in Unternehmen sahen Herausforderungen, wie das Verschwimmen der Grenzen zwischen Arbeit und Familie, weniger soziale Kontakte oder auch sinkende Karrierechancen (siehe Bewerbungspraxis 2015). Diese Herausforderungen führen u.a. auch zu einem Stressempfinden, sowohl der Mitarbeitenden im Home-Office (siehe Weinert et al. 2014, 2015), aber auch zu Herausforderungen und Frustration derjenigen, die weiter im klassischen Büro arbeiten (müssen) (siehe Maier et al. 2018). Hier kann es sogar zur Neid auf diejenigen kommen, die auf Grund ihres Tätigkeitfeldes die Chance haben im Home-Office zu arbeiten.

In unseren aktuellen Arbeiten wollen wir dabei dazu beitragen, dass in der Wissenschaft, der Politik und in der breiten Öffentlichkeit eine Diskussion geführt werden kann, welche Bedeutung dem Ort „Büro“ zukünftig beigemessen wird und wie die Herausforderungen des „Home-Office“ gut gestaltet werden können. Diese Erkenntnisse können schließlich in die aktuellen Überlegungen einfließen, ob es grundsätzlich ein Recht auf Home-Office für Mitarbeitende in Unternehmen geben sollte. Die Diskussionen und die Ergebnisse der Pre-Corona-Zeit legen nahe, dass der Ort „Büro“ weiter eine große Bedeutung haben wird. Die Beobachtungen während der andauernden Pandemie zeigen jedoch auch, dass Home-Office und virtuelles Arbeiten durchaus positive Auswirkungen auf den Arbeitsalltag haben. Je nach Aufgabe und Branche kommt es jedoch auf den richtigen Mix aus Büro- und Telearbeit an, so dass keine generelle Empfehlung für ein bestimmtes Konzept ausgesprochen werden kann. Hier sind die Merkmale und Herausforderungen des jeweiligen Kontexts mit zu berücksichtigen. In den aktuellen Forschungsarbeiten des Schöller-Stiftungslehrstuhl wird sich daher genau diesen Fragestellungen gewidmet, um weitere Beiträge zu dieser Diskussion leisten zu können, wie Telearbeit (Home-Office) erfolgreich ein Teil der Arbeitsrealität in den Unternehmen werden bzw. bleiben kann.

Die Ergebnisse aus den Forschungsarbeiten des Lehrstuhls sowie erste Erkenntnisse und Hypothesen zur Post-Corona-Zeit hat Prof. Dr. Sven Laumer in seinem Vortrag „Erfolgreiches Arbeiten im Home-Office: Theorien, empirische Studien und Hypothesen zur Post-Corona-Zeit“ zusammengefasst und diese werden aktuell in weiteren Beiträgen und Studien vertieft.

In unserer Lehre wird das Thema „Telearbeit (Home-Office)“ in unserer Bachelorveranstaltung „Enterprise Content and Collaboration Management“ sowie in unserer Masterveranstaltung „Enterprise Knowledge Management“ aufgegriffen. Beide Veranstaltungen thematisieren Theorien, Modelle und Technologien, wie Zusammenarbeit in Unternehmen erfolgreich gestaltet werden kann.

 

Ausgewählte Publikationen

Ausgewählte Vorträge

  • Erfolgreiches Arbeiten im Home-Office: Theorien, empirische Studien und Hypothesen zur Post-Corona-Zeit

 

¹ https://www.wsj.com/articles/BL-ATWORKB-750
https://www.wsj.com/articles/the-boss-wants-you-back-in-the-office-1500975001
https://www.forbes.com/sites/carolkinseygoman/2017/10/12/why-ibm-brought-remote-workers-back-to-the-office-and-why-your-company-might-be-next/